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Schwimmbad ohne klare Zielgruppe? So entstehen falsche Entscheidungen

30. August 2026 7 Minuten Lesezeit

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Morgens Schulschwimmen, nachmittags Familienbetrieb, abends Vereinstraining – und dazwischen Aqua-Kurse, Reha-Angebote und öffentliche Badezeiten. Viele Bäder sollen heute sehr unterschiedliche Erwartungen gleichzeitig erfüllen. Genau darin liegt das strategische Problem.

Denn Schulsport, Vereinstraining, Familienfreizeit und Gesundheitsangebote stellen nicht nur unterschiedliche Anforderungen an Zeiten und Flächen. Sie verfolgen teilweise sogar widersprüchliche Ziele. Wer allen Nutzergruppen gleichzeitig Vorrang einräumen möchte, schafft deshalb nicht automatisch ein besonders vielseitiges Angebot. Im schlechtesten Fall entsteht ein Betrieb, bei dem keine Zielgruppe wirklich optimal erreicht wird.

Ein Bad kann vieles leisten – aber nicht alles gleichzeitig priorisieren.

Für Betreiber stellt sich deshalb eine grundlegende Frage: Für wen soll das Bad eigentlich da sein – und was bedeutet das für Angebot, Betrieb und Investitionen?

Zielgruppen eines Schwimmbads: Warum Klarheit so wichtig ist

Die Zielgruppen eines Schwimmbads sind auf den ersten Blick schnell benannt. Kinder und Familien gehören ebenso dazu wie Schulen, Vereine, Senioren, Sportschwimmer oder Nutzer von Gesundheitsangeboten. Strategisch interessant wird es aber erst danach.

Denn die unterschiedlichen Gruppen benötigen unterschiedliche Bedingungen. Familien wünschen sich attraktive Aufenthaltsbereiche und möglichst flexible Öffnungszeiten. Vereine benötigen planbare Trainingszeiten und geeignete Wasserflächen. Schulen sind auf verlässliche Zeitfenster angewiesen. Sportschwimmer wünschen sich freie Bahnen, während Gesundheits- und Kursangebote wiederum eigene Anforderungen an Temperatur, Ausstattung und Belegung stellen können.

Diese Wünsche lassen sich nicht immer gleichzeitig erfüllen. Fehlt ein klarer Zielrahmen, werden Entscheidungen über Öffnungszeiten, Preise, Flächen oder Investitionen schnell zu Einzelfalldiskussionen. Mal bekommt die eine Nutzergruppe Vorrang, bei der nächsten Entscheidung eine andere. Langfristig entsteht daraus keine Strategie.

Anspruch und tatsächliche Nutzung sind nicht dasselbe

Besonders wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen dem Anspruch eines Bades und seiner tatsächlichen Nutzung. Ein Betreiber kann sich beispielsweise das Ziel setzen, insbesondere Familien anzusprechen. Wenn die vorhandenen Angebote, Öffnungszeiten oder Eintrittsmodelle diese Zielgruppe aber kaum erreichen, besteht eine strategische Lücke.

Dasselbe kann bei Schulen, Vereinen oder Gesundheitsangeboten auftreten. Eine sinnvolle Standortbestimmung betrachtet daher nicht nur, wer erreicht werden soll, sondern auch, wer das Bad tatsächlich nutzt. Erst aus dieser Gegenüberstellung wird sichtbar, ob Angebot und strategischer Auftrag zusammenpassen. Dabei sollte nicht nur auf Besucherzahlen geschaut werden. Interessant sind auch Nutzungszeiten, Auslastung einzelner Bereiche, Tarifstrukturen, Kursnachfrage oder die Belegung durch Schulen und Vereine. So lässt sich beispielsweise erkennen, ob bestimmte Zielgruppen nur auf dem Papier eine wichtige Rolle spielen oder den Betrieb tatsächlich prägen.

Wo entstehen die eigentlichen Zielkonflikte?

Viele strategische Fragen eines Schwimmbads zeigen sich zunächst als operative Probleme. Zu wenige freie Bahnen können beispielsweise wie ein Belegungsproblem wirken. Dahinter kann jedoch eine grundlegendere Frage stehen: Soll der öffentliche Badebetrieb Vorrang haben oder das Vereinstraining?

Ähnlich verhält es sich mit Eintrittspreisen. Ein niedriger Tarif kann gesellschaftlich gewollt sein und gleichzeitig die wirtschaftlichen Spielräume begrenzen. Längere Öffnungszeiten können die Attraktivität erhöhen, führen aber möglicherweise zu höheren Personal- und Betriebskosten.

Solche Konflikte lassen sich nicht allein durch eine zusätzliche Kennzahl lösen. Zunächst muss geklärt werden, welches Ziel im Zweifel Vorrang hat und welche Rahmenbedingungen nicht verhandelbar sind. Erst dann kann beurteilt werden, welche Maßnahme tatsächlich sinnvoll ist.

Strategie bedeutet auch, sich zu entscheiden

Strategische Klarheit entsteht selten durch möglichst lange Maßnahmenlisten. Entscheidend sind wenige klar formulierte Ziele und nachvollziehbare Prioritäten.

Für einen Betreiber kann das beispielsweise bedeuten, dass die Sicherstellung des Schulschwimmens an erster Stelle steht, während gleichzeitig der öffentliche Badebetrieb gestärkt werden soll. Bei einem anderen Bad kann die Entwicklung eines attraktiven Gesundheits- und Kursangebotes strategisch wichtiger sein. Beide Entscheidungen können richtig sein – wenn sie zum jeweiligen Auftrag, Standort und Geschäftsmodell passen.

Deshalb sollte jede größere Untersuchung oder Investition mit einer konkreten Entscheidungsfrage verbunden sein. Statt allgemein zu prüfen, „wie das Bad verbessert werden kann“, sollte beispielsweise geklärt werden, ob zusätzliche Wasserfläche benötigt wird, welche Nutzergruppe künftig wachsen soll oder welche Angebote wirtschaftlich und strategisch weiterentwickelt werden sollen. Dadurch wird aus einer Analyse eine echte Entscheidungsvorbereitung.

Nicht jedes Problem ist gleich strategisch

Ebenso wichtig ist die Trennung zwischen einem akuten Betriebsproblem und einem strukturellen Handlungsfeld. Ein kurzfristiger Personalausfall ist zunächst ein operatives Problem. Wenn Öffnungszeiten jedoch dauerhaft nicht mit den vorhandenen Personalressourcen aufrechterhalten werden können, wird daraus eine strategische Frage.

Dasselbe gilt für Auslastung, Technik oder Flächen. Ein einzelner Engpass muss nicht automatisch eine langfristige Veränderung auslösen. Häufen sich bestimmte Probleme jedoch oder verhindern sie dauerhaft die Erreichung wichtiger Ziele, sollte genauer hingeschaut werden.

Eine gute strategische Standortbestimmung hilft deshalb dabei, Probleme nicht nur zu sammeln, sondern nach Dringlichkeit, Wirkung und Entscheidungsbedarf einzuordnen.

Öffentliche und private Betreiber setzen unterschiedliche Schwerpunkte

Bei kommunalen Bädern gehört zur Strategie immer auch der öffentliche Auftrag. Entscheidungen müssen gegenüber Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit nachvollziehbar sein. Wirtschaftlichkeit ist wichtig, steht aber neben Zielen wie Daseinsvorsorge, Schulschwimmen, Vereinsförderung oder sozialer Teilhabe.

Private Betreiber setzen häufig andere Schwerpunkte. Hier spielen Positionierung, Ergebnis, Kundenbindung und Investitionsfähigkeit meist eine stärkere Rolle.

Trotzdem brauchen beide einen klaren Zielrahmen. Denn ohne ihn besteht die Gefahr, dass operative Einzelentscheidungen schrittweise die langfristige Ausrichtung bestimmen.

Vom Tagesgeschäft zur klaren Richtung

Genau hier setzt der AquaPassion Bäder Strategiecheck an. Der Strategiecheck schafft eine kompakte Standortbestimmung und betrachtet Auftrag, Zielgruppen, Entscheidungsbedarf, Risiken und Prioritäten gemeinsam. Dabei geht es nicht darum, bereits jede Detailfrage abschließend zu beantworten. Vielmehr soll sichtbar werden, welche Entscheidungen in den kommenden zwölf bis 36 Monaten vorbereitet werden müssen und welche Informationen dafür noch fehlen. Ein sinnvoller Ausgangspunkt kann bereits der nächste anstehende Beschluss, eine auffällige Kennzahl oder ein konkretes Problem aus dem laufenden Betrieb sein. Von dort aus lässt sich bestimmen, welche Themen tatsächlich vertieft werden sollten.

Fazit: Ein Bad braucht nicht mehr Ziele, sondern klarere

Die Frage nach den Zielgruppen eines Schwimmbads klingt zunächst einfach. In der Praxis entscheidet sie jedoch über weit mehr als Kommunikation oder Marketing. Sie beeinflusst Öffnungszeiten, Flächenbelegung, Tarife, Personalbedarf und Investitionen.

Ein Bad muss deshalb nicht zwangsläufig weniger Zielgruppen ansprechen. Entscheidend ist vielmehr, dass klar ist, welche Ziele Priorität besitzen und wie mit Zielkonflikten umgegangen werden soll.

Wer diese Fragen beantwortet, schafft eine Grundlage, auf der operative Entscheidungen nicht mehr isoliert getroffen werden müssen.

Welche Zielgruppen hat ein Schwimmbad typischerweise?

Je nach Standort können unter anderem Familien, Schulen, Vereine, Sportschwimmer, Senioren sowie Nutzer von Gesundheits- und Kursangeboten relevant sein. Entscheidend ist jedoch weniger die Anzahl der Zielgruppen als deren strategische Bedeutung für das jeweilige Bad.

Muss sich ein Schwimmbad auf eine einzige Zielgruppe konzentrieren?

Nein. Viele Bäder bedienen bewusst mehrere Nutzergruppen. Wichtig ist aber, Prioritäten und mögliche Zielkonflikte zu kennen, damit Entscheidungen über Zeiten, Flächen und Investitionen nachvollziehbar getroffen werden können.

Wie lässt sich feststellen, welche Zielgruppen tatsächlich erreicht werden?

Neben Besucherzahlen können unter anderem Tarifnutzung, Belegungszeiten, Kursnachfrage und die Nutzung einzelner Bereiche betrachtet werden. Dadurch lässt sich der gewünschte Zielgruppenfokus mit der tatsächlichen Nutzung vergleichen.

Was ist das Ziel eines Bäder Strategiechecks?

Der Strategiecheck schafft eine strukturierte Standortbestimmung. Ziel ist es, Entscheidungsbedarf, Risiken und Prioritäten sichtbar zu machen und festzulegen, welche Themen anschließend genauer untersucht werden sollten.

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Über den Autor

Henry Peukert

BERATUNG FÜR BÄDER UND THERMEN AUS BETREIBERPERSPEKTIVE

Henry Peukert unterstützt mit AquaPassion Kommunen, Stadtwerke und Betreiber dabei, ihre Bäder, Thermen und Wellnessanlagen wirtschaftlich und zukunftsfähig aufzustellen. Dabei verbindet er mehr als 45 Jahre Erfahrung im Bäderbetrieb mit einem klaren Blick für das, was vor Ort funktioniert – von der strategischen Ausrichtung bis zum Betriebsalltag.

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