Interbad 2026: Drei Highlights, die die Bäderbranche bewegen
Weniger Ressourcen verbrauchen, Personal gezielter einsetzen und gleichzeitig attraktive Angebote schaffen: Die Herausforderungen für Schwimmbadbetreiber sind groß. Auf der interbad 2026 in Stuttgart wurde deutlich, wie innovative Technologien dazu beitragen können, den Bäderbetrieb wirtschaftlicher und zukunftsfähiger zu gestalten.
Vom 6. bis 8. Oktober 2026 präsentierte die internationale Fachmesse für Schwimmbad, Sauna und Spa neue Technologien, Produkte und Konzepte. Für mich stand dabei vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Welche Innovationen bringen Badbetreibern einen tatsächlichen Mehrwert im täglichen Betrieb?
Besonders drei Entwicklungen haben mich überzeugt. Sie zeigen, dass die Zukunft der Bäderbranche nicht allein in neuer Technik liegt, sondern in der intelligenten Verbindung von Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Erlebnisqualität.
1. BREMAG: Wasserrecycling wird zur strategischen Zukunftsfrage
Wasser gehört zu den wichtigsten Ressourcen eines Schwimmbads. Gleichzeitig verursachen Frischwasserbezug, Wasseraufbereitung, Abwasserentsorgung und die Erwärmung des Wassers erhebliche Betriebskosten.
Angesichts zunehmender Hitzeperioden, längerer Trockenphasen und möglicher regionaler Wasserknappheit gewinnt das Thema für mich eine zusätzliche Dimension: Wasser ist nicht mehr ausschließlich ein Kostenfaktor, sondern auch eine Frage der langfristigen Versorgungssicherheit.
Besonders deutlich wird dieser Zielkonflikt bei Freibädern. Gerade dann, wenn sie an heißen Sommertagen dringend zur Abkühlung benötigt werden, kann auch die örtliche Wasserversorgung besonders beansprucht sein.
Ein interessantes Beispiel für den effizienteren Umgang mit dieser Ressource zeigte BREMAG mit seinen Lösungen zur Spülwasseraufbereitung und Wiederverwendung. Nach Herstellerangaben können mit der entsprechenden Aufbereitungstechnologie bis zu 80 Prozent des anfallenden Filterspülwassers wieder in den Badewasserkreislauf zurückgeführt werden.
Dadurch lässt sich nicht nur der Frischwasserbedarf verringern. Auch Abwasserkosten und der Energieaufwand für die Erwärmung nachgespeisten Wassers können sinken. Wie groß die tatsächliche Einsparung ausfällt, hängt allerdings von den technischen und betrieblichen Voraussetzungen des jeweiligen Bades ab.
Für mich gehört Wasserrecycling zu den wichtigsten Zukunftsthemen der öffentlichen Bäder. Kommunen, Stadtwerke und Betreiber sollten Wasserverfügbarkeit und Wasserverbrauch künftig ebenso selbstverständlich in ihre strategischen Überlegungen einbeziehen wie Energieeffizienz und Personalbedarf.

2. Gantner und Vintia: Wenn der Schwimmbadbesuch schon am Eingang effizienter wird
Digitalisierung ist in der Bäderbranche längst angekommen. Besonders spannend finde ich jedoch Technologien, die nicht nur bestehende Abläufe digital abbilden, sondern den tatsächlichen Personalaufwand reduzieren und gleichzeitig den Komfort für Badegäste verbessern.
Genau hier setzen die Lösungen von Gantner und Vintia an.
Ein Highlight war für mich der neue GWD7 Wristband Dispenser. Das System übernimmt die automatische Sortierung, Vorbereitung und Ausgabe von RFID-Armbändern. Besucher können dadurch nach der Ticketprüfung das passende Armband erhalten, ohne dass das Kassenpersonal jeden einzelnen Vorgang manuell bearbeiten muss.
Was zunächst nach einer kleinen technischen Verbesserung klingt, kann gerade bei hohen Besucherzahlen eine erhebliche betriebliche Wirkung entfalten. Warteschlangen lassen sich reduzieren und Mitarbeitende können stärker für Beratung, Service oder andere notwendige Aufgaben eingesetzt werden.
Besonders interessant ist die Möglichkeit, verschiedene Prozesse miteinander zu verbinden: vom digitalen Ticketkauf über den Zutritt und die Schließfachnutzung bis zum bargeldlosen Bezahlen und zur automatisierten Rückgabe der Armbänder.
Auch KI-gestützte Verkaufsprozesse eröffnen neue Perspektiven. Wenn Gäste ihre gewünschte Leistung beispielsweise per Sprache beschreiben können und das System passende Tarifoptionen vorschlägt, könnte der Ticketkauf zukünftig deutlich einfacher werden. Gleichzeitig entstehen Möglichkeiten, Zusatzangebote gezielter anzubieten.
Für mich liegt der wesentliche Nutzen solcher Technologien nicht darin, Personal vollständig zu ersetzen. Entscheidend ist, qualifizierte Mitarbeitende von wiederkehrenden Routinetätigkeiten zu entlasten und vorhandene Kapazitäten sinnvoller einzusetzen.
Ob sich eine Investition wirtschaftlich lohnt, muss selbstverständlich für jeden Betrieb gesondert betrachtet werden. Die interbad 2026 hat aber gezeigt, welches Potenzial in durchgängig automatisierten Besucherprozessen steckt.

3. AQUARENA: Mehr Erlebnisqualität durch intelligente Wasserrutschen
Neben Wirtschaftlichkeit und Automatisierung darf ein weiterer Aspekt nicht vergessen werden: Schwimmbäder müssen für ihre Gäste attraktiv bleiben.
Gerade Familien und jüngere Zielgruppen erwarten abwechslungsreiche Angebote und besondere Erlebnisse. Innovative Wasserattraktionen können deshalb ein wichtiger Bestandteil einer langfristigen Bäderstrategie sein.
Anlässlich des 45-jährigen Firmenjubiläums präsentierte AQUARENA auf der interbad interessante Weiterentwicklungen rund um Wasserrutschen und Erlebniswelten.
Die SmartSlide 2.0 verbindet klassische Wasserrutschen mit interaktiven Licht- und Soundeffekten sowie digitalen Spielelementen. Dadurch entstehen neue Erlebnis- und Wettbewerbsanreize, die auch eine wiederholte Nutzung attraktiv machen können.
Einen anderen Ansatz verfolgt AquaSwitch. Durch integrierte Weichenelemente sind unterschiedliche Rutschverläufe innerhalb einer Anlage möglich. Aus Betreibersicht finde ich diesen Ansatz besonders interessant, weil verschiedene Rutscherlebnisse entstehen können, ohne für jede Variante eine vollständig eigenständige Rutschenanlage errichten zu müssen.
Auch die technische Betriebsführung entwickelt sich weiter. Mit dem KI-gestützten SlideInspector stellte AQUARENA ein robotergestütztes System vor, das Inspektionsfahrten durch Wasserrutschen durchführen und Zustandsdaten dokumentieren kann. Solche Lösungen könnten technische Mitarbeitende bei wiederkehrenden Kontrollaufgaben unterstützen und Veränderungen an Anlagen besser nachvollziehbar machen.
Für mich zeigen diese Entwicklungen, dass Digitalisierung und Erlebnisqualität keine Gegensätze sein müssen. Neue Technologien können sowohl die Attraktivität eines Bades stärken als auch die Organisation und Überwachung technischer Anlagen unterstützen.
Ein wichtiges Signal: Die Bäderbranche rückt enger zusammen
Neben den technischen Innovationen hat mich auch die stärkere Zusammenarbeit innerhalb der Branche positiv gestimmt.
Insbesondere die Vernetzung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), der Bäderallianz und des Deutschen Sauna-Bundes halte ich für einen wichtigen Ansatz. Themen wie Finanzierung, Fachkräftemangel, Energieeffizienz, Gesundheitsangebote und Schwimmfähigkeit lassen sich langfristig kaum isoliert lösen.
Eine engere Zusammenarbeit kann helfen, fachliche Erfahrungen zusammenzuführen, gemeinsame Positionen zu entwickeln und den Interessen der Bäder- und Saunabranche gegenüber Politik und Verwaltung mehr Gewicht zu verleihen.
Aus meiner Sicht ist genau dieser ganzheitliche Ansatz notwendig, um die Zukunft öffentlicher Bäder nachhaltig zu sichern.
Mein Fazit zur interbad 2026
Die interbad 2026 hat für mich vor allem eines gezeigt: Die Zukunft der Bäderbranche entscheidet sich nicht an einzelnen Innovationen, sondern daran, wie sinnvoll neue Technologien in bestehende Betriebsmodelle integriert werden.
Wasserrecycling, automatisierte Besucherprozesse und intelligente Erlebnisangebote verfolgen unterschiedliche Ziele. Gemeinsam können sie jedoch dazu beitragen, Ressourcen zu schonen, Mitarbeitende zu entlasten und Schwimmbäder langfristig attraktiv zu halten.
Für Badbetreiber bedeutet das nicht, jede neue Technologie sofort einsetzen zu müssen. Viel wichtiger ist es, den eigenen Betrieb kritisch zu betrachten, tatsächliche Handlungsfelder zu erkennen und Investitionen nach ihrem langfristigen Nutzen zu bewerten.
Genau darin sehe ich auch unsere Aufgabe bei AquaPassion: Wir beraten Badbetreiber dabei, wirtschaftliche, technische und strategische Herausforderungen ganzheitlich zu betrachten, geeignete Lösungen für ihren Standort zu identifizieren und die nächsten Schritte fundiert zu priorisieren. Darüber hinaus unterstützen wir bei der konkreten Planung und Umsetzung, damit aus innovativen Ideen praxistaugliche Verbesserungen für einen wirtschaftlichen und zukunftsfähigen Bäderbetrieb werden.
Was ist die interbad?
Die interbad ist eine internationale Fachmesse für Schwimmbad, Sauna und Spa. Sie gehört zu den wichtigsten Branchentreffpunkten und bietet Fachbesuchern einen Überblick über neue Technologien, Produkte und Entwicklungen rund um den Bau und Betrieb von Bädern, Saunaanlagen und Wellnesseinrichtungen.
Wann fand die interbad 2026 statt?
Die interbad 2026 fand vom 6. bis 8. Oktober 2026 auf dem Gelände der Messe Stuttgart statt. Neben der Fachausstellung bot die Veranstaltung ein umfangreiches Kongress- und Rahmenprogramm mit Fachvorträgen und Diskussionen zu aktuellen Branchenthemen.
Wann findet die nächste interbad statt?
Die nächste interbad ist für Oktober 2028 in Stuttgart vorgesehen. Da die internationale Fachmesse alle zwei Jahre stattfindet, folgt die nächste Ausgabe im Jahr 2028. Als Termin wird derzeit der 10. bis 12. Oktober 2028 genannt. Eine offizielle Bestätigung durch den Veranstalter steht noch aus.
Welche Themen standen auf der interbad 2026 im Mittelpunkt?
Zu den zentralen Themen gehörten Energie- und Ressourceneffizienz, nachhaltiger Bäderbetrieb, moderne Wasseraufbereitung, Digitalisierung und neue Technologien für Schwimmbäder und Saunaanlagen. Ergänzend beschäftigte sich das Kongressprogramm mit aktuellen Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Bäderbranche.