Zum Inhalt springen

Wenn Personal fehlt: Wie krisenfest ist Ihr Schwimmbad aufgestellt?

25. August 2026 8 Minuten Lesezeit

Personal & Führung

Teilen

Der Dienstplan steht, alle Schichten sind besetzt und der Betrieb läuft. Auf den ersten Blick scheint personell alles in Ordnung. Doch was passiert, wenn eine langjährige Fachkraft kündigt, zwei Mitarbeitende gleichzeitig ausfallen oder eine Schlüsselqualifikation plötzlich nicht mehr verfügbar ist?

Gerade in Schwimmbädern ist Personalplanung weit mehr als die Frage, ob für die kommende Woche genügend Namen im Dienstplan stehen. Viele Aufgaben sind an bestimmte Qualifikationen gebunden, Vertretungsmöglichkeiten sind begrenzt und Erfahrungswissen liegt nicht selten bei einzelnen Mitarbeitenden. Ein Personalmodell kann deshalb heute funktionieren – und trotzdem bereits ein erhebliches Risiko für die kommenden Jahre enthalten.

Eine besetzte Schicht ist noch keine gesicherte Betriebsfähigkeit.

Eine belastbare Personalstrategie für Schwimmbäder beginnt deshalb nicht beim nächsten Dienstplan, sondern bei der Frage, welche Leistungen auch dann noch zuverlässig angeboten werden können, wenn sich die personellen Rahmenbedingungen verändern.

Der kritische Punkt ist oft unsichtbar

Personelle Risiken werden häufig erst sichtbar, wenn sie bereits akut sind. Eine Stelle bleibt länger unbesetzt, Überstunden häufen sich oder bestimmte Dienste können nur noch durch wenige Personen übernommen werden. Die Ursache liegt dann aber oft deutlich weiter zurück.

Besonders kritisch wird es, wenn unverzichtbare Kompetenzen an einzelne Mitarbeitende gebunden sind. Fällt diese Person aus oder verlässt den Betrieb, fehlt nicht nur Arbeitskraft, sondern möglicherweise auch Fachwissen, Erfahrung oder eine notwendige Qualifikation. Ähnliches gilt für eine ungünstige Altersstruktur: Wenn mehrere erfahrene Beschäftigte innerhalb weniger Jahre ausscheiden, entsteht ein Problem nicht erst mit dem letzten Arbeitstag. Die entscheidende Frage ist, ob frühzeitig Nachwuchs aufgebaut, Wissen weitergegeben und Vertretung organisiert wurde.

Genau deshalb reicht der Blick auf Stellenzahlen oder Vollzeitäquivalente allein nicht aus. Zwei Bäder mit derselben Personalstärke können völlig unterschiedlich aufgestellt sein. Entscheidend ist, welche Aufgaben erledigt werden müssen, welche Qualifikationen dafür notwendig sind und wie flexibel der Betrieb auf Urlaub, Krankheit oder Fluktuation reagieren kann.

Auch eine vermeintlich ausreichende Personaldecke kann fragil sein, wenn bestimmte Funktionen praktisch nicht vertreten werden können.

Für die Betriebs- und Wasseraufsicht ist dabei besondere Sorgfalt erforderlich: Der notwendige Personaleinsatz lässt sich nicht seriös aus einer pauschalen Kennzahl ableiten. Maßgeblich sind unter anderem Art und Größe des Bades, Besucheraufkommen, Becken- und Sichtverhältnisse, besondere Attraktionen, Betriebsabläufe sowie die Qualifikation der eingesetzten Beschäftigten. Personaloptimierung endet dort, wo Sicherheits-, Aufsichts- oder Qualifikationsanforderungen nicht mehr zuverlässig erfüllt werden können.

Wo wird qualifiziertes Personal wirklich gebraucht?

Eine sinnvolle Analyse sollte deshalb nicht mit der Frage beginnen, wie viele Stellen vorhanden sind, sondern welche Arbeit tatsächlich anfällt.

Gerade qualifizierte Fachkräfte übernehmen im Alltag häufig Aufgaben, die über ihre Kernfunktion hinausgehen. Dokumentation, organisatorische Tätigkeiten, interne Abstimmungen oder wiederkehrende Nebenarbeiten können erhebliche Zeitanteile binden. Gleichzeitig entstehen zu bestimmten Öffnungs-, Kurs- oder Belegungszeiten personelle Spitzen, die in einer durchschnittlichen Stellenbetrachtung kaum sichtbar werden.

Interessant wird deshalb der Vergleich zwischen Dienstplan und tatsächlichem Betrieb. Wo entstehen regelmäßig Überstunden? Welche Dienste sind besonders schwer zu besetzen? Welche Tätigkeiten können nur einzelne Personen übernehmen? Und welche Aufgaben könnten möglicherweise anders organisiert werden, ohne Sicherheits-, Aufsichts- oder Qualifikationsanforderungen zu unterschreiten und ohne die Angebotsqualität zu beeinträchtigen?

Gerade hier zeigt sich, warum Personalkosten isoliert betrachtet wenig aussagekräftig sind. Ein höherer Personaleinsatz kann beispielsweise durch besondere Öffnungszeiten, zusätzliche Angebote oder Sicherheitsanforderungen vollkommen gerechtfertigt sein. Umgekehrt bedeutet eine formal schlanke Besetzung nicht automatisch, dass ein Betrieb effizient organisiert ist. Wenn Mitarbeitende dauerhaft Mehrarbeit leisten oder Vertretungslücken improvisiert geschlossen werden müssen, wird ein strukturelles Problem lediglich verdeckt.

Eine tragfähige Personalstrategie muss deshalb Aufgaben, Qualifikationen, Besetzungsanforderungen und tatsächliche Arbeitsorganisation gemeinsam betrachten.

In der Praxis bewährt sich dafür eine einfache Kompetenz- und Vertretungsmatrix: Welche Funktionen sind für den Betrieb kritisch? Wer kann sie heute sicher übernehmen? Wer steht als belastbare Vertretung zur Verfügung? Welche Qualifikationen müssen regelmäßig aktualisiert oder nachgewiesen werden? Und wo besteht faktisch nur eine einzige personelle Absicherung? Aus einer solchen Übersicht werden Risiken häufig früher sichtbar als aus dem Stellenplan allein.

Nicht jeder Engpass braucht sofort mehr Personal

Gleichzeitig wäre es zu einfach, jede personelle Belastung mit zusätzlichen Stellen beantworten zu wollen.

Manche Engpässe entstehen tatsächlich durch fehlende Kapazitäten. Andere haben ihre Ursache in Abläufen, ungünstigen Dienstmodellen oder Aufgaben, die historisch gewachsen sind und nie grundlegend hinterfragt wurden. Wieder andere lassen sich durch bessere Vertretungsregelungen oder gezielten Wissenstransfer entschärfen.

Die entscheidende Aufgabe besteht deshalb zunächst darin, zwischen einem akuten Betriebsproblem und einem strukturellen Handlungsfeld zu unterscheiden. Ein kurzfristiger Krankheitsausfall ist noch keine strategische Krise. Wenn der Betrieb jedoch regelmäßig nur durch Überstunden aufrechterhalten werden kann oder bei jedem Ausfall derselben Person ins Wanken gerät, liegt das Problem tiefer.

Dabei sollte auch nicht jede Veränderung sofort auf den gesamten Betrieb übertragen werden. Neue Aufgabenverteilungen oder Dienstmodelle lassen sich oft zunächst in einem begrenzten Bereich testen. So wird sichtbar, ob eine Maßnahme tatsächlich entlastet oder lediglich Belastung an eine andere Stelle verschiebt.

Das Ziel ist nicht die möglichst geringe Personalzahl. Das Ziel ist ein Modell, das den sicheren Betrieb auch unter realistischen Belastungen trägt.

Personalstrategie heißt, heute für die nächsten Jahre zu entscheiden

Gerade deshalb lohnt sich eine Betrachtung über den aktuellen Dienstplan hinaus. Welche Beschäftigten werden voraussichtlich in den kommenden Jahren ausscheiden? Wo fehlen bereits heute Vertretungen? Welche Qualifikationen müssen aufgebaut werden? Welche Leistungen sollen dauerhaft angeboten werden – und welche personellen Voraussetzungen sind dafür notwendig?

Solche Fragen gehören mindestens in einen Zeithorizont von zwölf bis 36 Monaten. Bei Ausbildung, Nachfolgeplanung und Altersstruktur muss der Blick teilweise noch weiter reichen. Denn Ausbildung, Rekrutierung, Qualifizierung und Wissenstransfer lassen sich nicht kurzfristig organisieren, wenn ein Engpass bereits eingetreten ist.

Krisenfestigkeit entsteht außerdem nicht nur durch Rekrutierung. Ebenso wichtig sind Bindung und Entwicklung der vorhandenen Beschäftigten: verlässliche Dienstplanung, nachvollziehbare Qualifizierungswege, gute Führung, belastbare Arbeitsorganisation und eine systematische Ausbildung tragen dazu bei, dass Fachwissen und Handlungssicherheit im Betrieb erhalten bleiben.

Bei kommunalen Bädern kommt hinzu, dass personelle Veränderungen häufig mit Stellenplänen, politischen Entscheidungen und langfristigen Haushaltsprozessen verbunden sind. Private Betreiber können teilweise schneller reagieren, müssen Personalentscheidungen dafür aber besonders eng mit Ergebnis, Leistungsangebot und Investitionsfähigkeit verbinden. In beiden Fällen gilt: Operative Notlösungen dürfen nicht dauerhaft die Personalstrategie ersetzen.

Genau hier setzt der AquaPassion Bäder-Strategiecheck an. Er betrachtet nicht nur die aktuelle Besetzung, sondern verbindet Personalstruktur, Leistungsauftrag, Risiken und zukünftigen Entscheidungsbedarf. Ziel ist keine pauschale Aussage darüber, ob ein Bad „zu viel“ oder „zu wenig“ Personal hat. Vielmehr soll sichtbar werden, wo Abhängigkeiten bestehen, welche Themen zuerst angegangen werden sollten und welche Entscheidungen in den kommenden Monaten vorbereitet werden müssen.

Für die Personalbetrachtung können dabei insbesondere Aufgaben- und Qualifikationsprofile, Vertretungsfähigkeit, Alters- und Abgangsrisiken, Dienstplanbelastung sowie Qualifizierungs- und Rekrutierungsbedarf zusammengeführt werden. So entsteht aus einzelnen Personaldaten eine belastbare Entscheidungsgrundlage für das künftige Betriebsmodell.

Ein sinnvoller Einstieg kann dabei bereits eine auffällige Entwicklung sein: steigende Überstunden, eine schwer zu besetzende Funktion, bevorstehende Abgänge oder die Frage, ob das heutige Betriebsmodell mit der vorhandenen Personalstruktur langfristig überhaupt aufrechterhalten werden kann.

Fazit: Entscheidend ist nicht, ob der Dienstplan heute aufgeht

Ein funktionierender Dienstplan sagt wenig darüber aus, wie stabil ein Personalmodell wirklich ist. Entscheidend ist, ob der Betrieb auch bei Urlaub, Krankheit, Fluktuation und absehbaren Abgängen zuverlässig funktioniert.

Eine gute Personalstrategie für Schwimmbäder macht deshalb Abhängigkeiten frühzeitig sichtbar, sichert kritisches Wissen und verbindet die verfügbaren Qualifikationen mit dem tatsächlichen Leistungsangebot.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob heute jede Schicht besetzt ist. Sondern: Wie viele Ausfälle oder Veränderungen hält das heutige Modell aus, bevor der Betrieb eingeschränkt werden muss?

Woran erkennt man ein kritisches Personalmodell?

Warnsignale können regelmäßig anfallende Überstunden, fehlende Vertretungen oder Funktionen sein, die nur von einzelnen Personen übernommen werden können. Auch mehrere absehbare Abgänge innerhalb kurzer Zeit sollten frühzeitig berücksichtigt werden.

Reicht die Zahl der vorhandenen Stellen für eine Bewertung aus?

Nein. Entscheidend ist, welche Aufgaben und Qualifikationen hinter den Stellen stehen und ob die notwendige Besetzung zu allen Betriebszeiten tatsächlich gewährleistet werden kann.

Muss bei Personalengpässen immer zusätzlich eingestellt werden?

Nicht zwingend. Engpässe können auch durch Arbeitsorganisation, Aufgabenverteilung oder fehlende Vertretungsstrukturen entstehen. Deshalb sollte zunächst die Ursache geklärt werden.

Was untersucht ein Bäder-Strategiecheck beim Thema Personal?

Er schafft eine strukturierte Standortbestimmung und macht personelle Risiken, Abhängigkeiten und zukünftigen Entscheidungsbedarf sichtbar. Daraus lässt sich ableiten, welche Themen anschließend vertieft werden sollten. Betrachtet werden können insbesondere Aufgaben- und Qualifikationsprofile, Vertretungsfähigkeit, Dienstplanrisiken, absehbare Abgänge sowie der Qualifizierungs- und Rekrutierungsbedarf.

Beitrag weitergeben

Kennen Sie jemanden, den das betrifft?

Wenn dieser Beitrag in Ihrem Betrieb oder Gremium weiterhilft, geben Sie ihn weiter.

Über den Autor

Henry Peukert

BERATUNG FÜR BÄDER UND THERMEN AUS BETREIBERPERSPEKTIVE

Henry Peukert unterstützt mit AquaPassion Kommunen, Stadtwerke und Betreiber dabei, ihre Bäder, Thermen und Wellnessanlagen wirtschaftlich und zukunftsfähig aufzustellen. Dabei verbindet er mehr als 45 Jahre Erfahrung im Bäderbetrieb mit einem klaren Blick für das, was vor Ort funktioniert – von der strategischen Ausrichtung bis zum Betriebsalltag.

Von der Frage zum nächsten Schritt

Was bedeutet das für Ihr Bad?

Wir helfen Ihnen, die Situation Ihres Bades einzuordnen, Prioritäten zu setzen und die nächsten Schritte zu planen. So entsteht eine klare Grundlage für Entscheidungen – im Team, in der Verwaltung und in den zuständigen Gremien.

Weiterlesen

Weitere Beiträge

Verwandte Themen